Der NASSENHEIDER Verdunster ist ein Langzeitverdunster zur kontinuierlichen Verdunstung von Ameisensäure 60% ad us. vet. für die Behandlung der Varroatose der Honigbiene (Apis mellifera). Der NASSENHEIDER Verdunster ist zusammen mit der Ameisensäure 60% ad us. vet. ein in Deutschland zugelassenes Bienenarzneimittel (veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Nr. 31 vom 11. Juli 2000).

Anwendungsgebiete
Varroose (Milbe "Varroa destructor") der Honigbiene (Apis mellifera)

Gegenanzeigen
Nicht während der Tracht anwenden. Anwendung nach der letzten Honigernte des Jahres.

Vorsichtsmaßnahmen während der Behandlung
Beim Arbeiten mit Ameisensäure sind Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille zu tragen.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln
Es sind keine bekannt.

Warnhinweise

  1. Ameisensäure darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
  2. Die Lösung verursacht Verätzungen.
  3. Dämpfe nicht einatmen.
  4. Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und
    Arzt konsultieren!
  5. Bei Unfall oder Unwohlsein sofort Arzt hinzuziehen.
  6. Ein Eimer mit Wasser sollte immer bereitstehen

Wichtigste Inkompatibilitäten
Es sind keine bekannt.

Vorraussetzung für die erfolgreiche Behandlung

  1. Vorhandensein von Brut während der Behandlungsdauer.
  2. Plazierung des Verdunsters fluglochfern neben dem Brutnest, mit einer Deckwabe dazwischen. Wegen der dortigen konstanten Temperatur von 35°C erfolgt die Verdunstung weitgehend unabhängig von der Außentemperatur.
  3. Wenn möglich, Anordnung der Waben im Warmbau.
  4. Ein windiger Standort der Beute ist ungünstig, eine nahe Hecke oder Zaun bremsen den Wind.

Vorbereitungsarbeiten

  1. Honigernte und Abnahme des Honigraums vor der Behandlung.
  2. Verschluss von Gitterböden jeder Art.
  3. Normale Öffnung des Flugloches entsprechend der Volksstärke.

Empfohlene Dosis pro Zarge für ein- bzw. zweizargige Völker
1. Behandlung im Juli/August: 15-20 ml / Zarge und Tag 2. Behandlung im September/Oktober: 10-15 ml / Zarge und Tag
2. Bedingt durch z.B. verstärktes Fächeln der Bienen bei hohen Temperaturen kann eine höhere Verdunstungsrate gemessen
werden. Dadurch entweicht ein Teil der Säuredämpfe weitgehend ungenutzt und der Vorratsbehälter wird vorzeitig leer. Dann muss nachgefüllt werden, damit die genannte Behandlungszeit eingehalten werden kann.
In den ersten 2-3 Tagen kann
eine Überschreitung der Dosis noch toleriert werden, weil die Beute einen Teil der Säuredämpfe absorbieren. Diese Zeit sollte zur Kontrolle und evtl. Änderung der Dosis genutzt werden.

3. Ein Nachfüllen des Verdunsters ist möglich. Eine längere Behandlungszeit ist nicht schädlich für die Bienen.

4. Die Minimaldosis von 15 ml/Tag und Zarge (nach der Abschleuderung) und 10 ml/Tag (vor der Brutpause) darf nicht unterschritten werden, denn dann ist der Behandlungserfolg nicht gesichert!
Wird bei der Kontrolle eine
zu geringe Verdunstungsrate festgestellt, muss der größere Docht verwendet werde

Art und Dauer der Anwendung
Die Behandlung erfolgt zweimal pro Jahr, einmal direkt nach der Abschleuderung und einmal im Spätsommer / Herbst (immer außerhalb der Trachtzeit).

1. Behandlung: Juli/August für 10-12 Tage

nach der Ernte

2. Behandlung: September für 10-14 Tage

vor der Brutpause – Brut muss noch vorhanden sein!

Die Behandlung über einen längeren Zeitraum ist nicht schädlich!
Die Gefahr der Reinfektion aus der Umgebung sollte besonders im September nicht unterschätzt werden. Wenn der Milbefall nach 14 Tagen Behandlung nicht deutlich sinkt, muss sie ausgedehnt oder nach kurzer Unterbrechung wiederholt werden. Die Wartezeit bis zur nächsten Honigernte ergibt sich automatisch durch die Winterruhe (Es soll keine Behandlung im Frühjahr erfolgen!).

Es gibt 2 verschiedene Anwendungsmöglichkeiten:

A) klassischer "NASSENHEIDER Verdunster"

Aufbau des Verdunsters

1 Vorratsraum, skaliert bis 180 ml
2 Verdunstungsraum
3 Dochtkorb
4 Dochthalter
5 Docht in 2 Größen
6 Befestigungslaschen
7 großer Deckel, verschweißt
Der Verdunster wird mit vorzugsweise rostfreien Schrauben in ein Rähmchen geschraubt.

Vorbereitung und Befüllung des Verdunsters

  1. Dochtkorb (3) wird entfernt.
  2. Verdunster wird in Schräghaltung (Abb. 3) mit Hilfe einer Laborflasche, eines Messzylinders oder einer Injektionsspritze
    langsam mit 60%iger Ameisensäure voll befüllt (180 ml).
  3. Bei mehr als 14 Tagen Behandlung muss nachgefüllt werden.
Abb.2 Verdunster im Rähmchen Abb. 3 Befüllen des Verdunsters
Dochtauswahl
  1. Generell sollte der kleinere Docht (18 cm² Verdunstungsfläche) verwendet werden. Ergibt die Kontrolle eine Verdunstungsrate unterhalb des empfohlenen Bereichs (unter 15 ml im Sommer, unter 10 ml im Herbst), soll der größere Docht (30 cm² Verdunstungsfläche) verwendet werden.
  2. Für jede Neubefüllung sollte ein neuer und trockener Docht verwendet werden, welcher in die beiden Dochthalterungen (4) eingeschoben wird. Dann wird der Dochtkorb (3) aufgesetzt, indem er mit den unteren Laschen außen über die Wände des Verdunstungsraums (2) geschoben wird. Zur Demontage werden die Laschen des Dochtkorbs (3) wieder auseinandergezogen.
  3. Das Einsetzen des Dochtes erfolgt erst unmittelbar vor der Einbringung in das Volk.

Achtung! Völker die stark kitten, sollten ohne bzw. mit abgeschnittenem Dochtkorb behandelt werden.

1. Das Rähmchen mit dem Verdunster wird neben dem Brutnest, möglichst im Anschluss an die erste brutfreie Wabe, eingehängt.
2. Einzargige Völker erhalten einen Verdunster, zweizargige möglichst zwei Verdunster. Sollten 2 Etagen mit einem Verdunster behandelt werden, ist darauf zu achten, dass aus diesem Verdunster die empfohlene Dosis für zwei Zargen verdunstet (Anwendung des großen Dochtes).
3. Das Einhängen erfolgt generell fluglochfern und, bei zwei Zargen, in der oberen Zarge in gegenüberliegender Anordnung zur unteren Zarge.


Wichtiger Gebrauchshinweis!
Der große Deckel (7) darf nicht mit Gewalt entfernt werden, er ist fest verschweißt und seine Dichtheit ist für die Funktion des Verdunsters
unerlässlich.


B) NASSENHEIDER Verdunster horizontal
bestehend aus klassischem NASSENHEIDER Verdunster

Abb. 1 Die "horizontal"-Anwendung
Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Modell
  • selbstgesteuerte Verdunstung von Ameisensäure zur Varroosebehandlung unabhängig von der Brutnesttemperatur, also bis ca. 10°C Außentemp. im Spätherbst mit sehr wenig oder ohne Brut. Zu dieser Zeit ist die Behandlung der Varroa-Milbe am effektivsten (keine Reinfektion)
  • späte Behandlungsmöglichkeit auch durch Heide- und Gebirgsimker
  • Behandlung von zweizargigen Völkern mit nur einem
    NASSENHEIDER Verdunster + Nachrüstsatz

Funktionsprinzip
Der vertikale Docht saugt die Ameisensäure an und transportiert sie über den U-förmigen Schenkel nach unten auf den horizontalen Docht, wo sie abtropft und verdunstet. Der gelochte Fuß stellt dabei sicher, daß sich die beiden Dochte nicht berühren (Verhinderung von Kapillaritätseffekten). So wird immer ein nahezu konstanter Volumenstrom an Ameisensäure transportiert und verdunstet.

Abb.2: Beschreibung der Einzelteile

1 – Vorratstank
2 – Dochtkorb (Abb.1)
3 – Füßchen
4 – vertikaler U-Docht für Transport und Verdunstung der Hauptmenge
5 – horizontaler Docht für Verdunstung (ca. 28 x 28 cm)
6 – nasser Fleck bei hohen Temperaturen
7 – nasser Fleck bei niedrigeren Temperaturen
8 – Folienunterlage (aus Verpackungsbeutel zuschneiden, ca. 20 x 32 cm)
Dochtauswahl
1. vertikaler Docht (U-Docht)
Im Lieferumfang sind drei unterschiedlich große vertikale Dochte (4) enthalten. Diese bestehen aus speziellem wiederverwendbarem Material. Die unterschiedliche Breite des längeren Schenkels am vertikalen Docht (4) bestimmt hier, wie groß der zu transportierende konstante Volumenstrom an Ameisensäure ist.
6-9 Waben 10-15 Waben 16-22 Waben bzw. zwei Zargen
Im Zweifelsfall soll im Juli/August der größere (wg. erhöhter Ventilation), im September/Oktober der kleinere Docht verwendet werden.

2. horizontaler Docht
Der horizontale Docht (5) besteht aus wiederverwendbarem Vliesstoff, es kann aber auch ein normales dünnes (Einmal-) Küchentuch oder
dünnes Leinentuch (Bettwäsche) verwendet werden. Zur Behandlung ist das mitgelieferte blaue Vliesstoff zuzuschneiden, wie weiter unten beschrieben wird.

Wiederverwendung der Dochte
Nach Gebrauch können beide Dochte mit klarem Wasser ausgespült, getrocknet und wiederverwendet werden. (Gummihandschuhe verwenden!).
Feuchte U-Dochte sind empfindlich, deshalb vorsichtig mit Wäscheklammer entnehmen. Beschädigte Dochte nicht wieder verwenden!


Für Rähmchen und Beuten langfristig nur rostfreie Schrauben, Nägel und Draht verwenden.
1. Montage im Rähmchen (Abb. 1 links) für Hinterbehandlungsbeuten und Magazine (ohne zusätzliche Zarge)

  • Füßchen (3) an den Einkerbungen abschneiden
  • Füße an den herkömmlichen "Nassenheider Verdunster" anstecken
  • den horizontalen Docht (5) ca. 8 cm schmaler zuschneiden, als das Rähmchen breit ist und ca. 5 cm länger als das Rähmchen hoch ist
  • auf die untere Rähmchenleiste einen ca. 3 cm breiten Streifen von der Kunststofffolie legen (das Holz soll sich nicht mit Säure voll saugen)
  • den horizontalen Docht so auf die Leiste legen, dass seine Kante mit einer Kante des Rähmchens abschneidet, den Verdunster raufstellen
    und alles zusammen verschrauben
  • der überstehende Teil vom Docht wird nach oben geknickt und an der Querleiste mit einigen Reißzwecken befestigt (überstehenden
    Teil kürzen)
  • den Verdunster befüllen und vertikalen Docht (4) mit dem Dochtkorb (2) einsetzen

Plazierung des Rähmchens in der Hinterbehandlungsbeute:
Als letztes Rähmchen direkt hinter das Fenster hängen
Plazierung des Rähmchens in der Magazinbeute In der oberen
Zarge am Rand (z.B. im Austausch gegen den Baurahmen)

1. Anwendung von oben bei Magazinbeuten (siehe Abb. 2)
Montage

  • Füßchen (3) mit den Standflächen jeweils nach außen in die
    Montagelöcher des herkömmlichen "Nassenheider Verdunsters" stecken
  • blaues Vliestuch (horizontaler Docht) mit einer Schere
    zurechtschneiden (ca. 10 cm kleiner als das Innenmaß der Zarge)
  • Tüte (Verpackung) als Unterlage zurechtschneiden (ca. 10 cm kleiner
    als das Innenmaß der Zarge)

Plazierung

  • in einer leeren Zarge, besser Halbzarge direkt über dem Brutnest
  • damit die Rähmchen sich nicht mit der Säure voll saugen, Kunststoff- Folie auflegen, darauf den horizontalen Docht (blaues Vliestuch) plazieren. Die Ablage auf ein Absperrgitter ist nur bedingt zu empfehlen, da die seitlichen Öffnungen evtl. verkittet werden könnten.

Inbetriebnahme:

  • Befüllung des Verdunsters
  • U-förmigen Docht (4) einsetzen, Dochtkorb (2) überstülpen
  • befüllten Verdunster sofort auf den horizontalen Docht (5) stellen Die Verdunstung steigt in den nächsten Stunden so langsam an, dass
    die Bienen kaum etwas spüren und deshalb nicht aggressiv werden. (keine Schocktherapie, keine Gefahr für die Königin)

Auszug aus dem lieferbaren Zubehör

  • Ersatzdochte
  • Schrauben aus rostfreiem Stahl
  • Laborflasche zum Befüllen (500 ml)
  • Dochtabdeckungen zum Nachrüsten